Knochenaufbau bei Parodontaltherapien
Verlorenes Knochengewebe kann mit Eigenknochen aufgebaut werden
Bei größeren Defekten reicht Reinigen allein nicht. Dann wird der Knochenaufbau gezielt unterstützt – mit der gesteuerten Geweberegeneration, kurz GTR, und mit Materialien, die dem Körper als Gerüst dienen.
Welches Material
Verloren gegangener Knochen lässt sich mit Eigenknochen ersetzen – das Material wird an anderer Stelle entnommen und wird besonders gut angenommen. Alternativ regt körperfremdes Ersatzmaterial die eigene Knochenbildung an und dient als Leitschiene, an der entlang neuer Knochen wächst.
Der entscheidende Punkt
Knochen wächst langsam, Schleimhaut schnell. Ohne Gegenmaßnahme wüchse von oben ein langes Saumepithel in den Defekt und umschlösse den Zahn bindegewebsartig – fest verankert wäre er dann nicht. Genau das gilt es zu verhindern.
Membrantechnik
Am wirksamsten lässt sich das verhindern, indem die Wurzeloberfläche mit einer Membran abgedeckt wird. Sie hält die schnell wachsenden Epithelzellen von oben fern und verschafft den langsameren Geweben des Zahnhalteapparats die Zeit, die sie brauchen.
Dieses Verfahren war lange die erste Wahl. Mit den Schmelzmatrixproteinen ist seither eine zweite Möglichkeit hinzugekommen, neues Gewebe zu bilden – je nach Defekt wird das eine, das andere oder beides eingesetzt.
Klinische Erfahrungen
Schmelzmatrixproteine sind wissenschaftlich gut untersucht und weltweit bei mehr als einer Million Patienten angewendet worden. Sie versetzen den Körper in die Lage, den Zahnhalteapparat neu zu bilden – und zwar alle drei Bestandteile:
- den Wurzelzement
- die feinen Faserbündel, die Wurzelzement und Kieferknochen verbinden
- den Kieferknochen selbst
Der Aufbau beginnt unmittelbar nach der Behandlung und setzt sich über einen längeren Zeitraum fort – oft über mehr als ein Jahr.
Freiliegende Zahnhälse
Zieht sich das Zahnfleisch zurück, spricht man von einer Rezession. Die freiliegenden Zahnhälse sind nicht nur ein ästhetisches Problem: Sie reagieren oft empfindlich auf Kaltes, Heißes und Süßes.
Solche Rezessionen lassen sich decken. Auch dabei helfen Schmelzmatrixproteine – einmal angewendet, stellen sie Funktion und Aussehen auf biologischem Weg wieder her.
Allogene Knochenblockaugmentation
Allogene Knochenblöcke können als alternatives Augmentationsverfahren zur Rekonstruktion durch Parodontitis verlorengegangenen Knochen verwendet werden. Die Knochentransplantate in Blockform bei der allogenen Knochenblockaugmentatio sind notwendig, wenn bei größeren Augmentationen und großen Defektgeometrien eine adäquate Volumenstabilität während der Einheilzeit erzielt werden soll.
Autogene Knochenblocktransplantate im Rahmen der Parodontalchirurgie werden durch intraorale Entnahme (Knochenblöcken aus der Unterkieferkinnregion und Unterkieferseitenzahnregion) am Patienten gewonnen. Sie haben sich aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und hohen Erfolgswahrscheinlichkeit bewährt. Ein Nachteil autogener Knochentransplantate ist die erhöhte Belastung des Patienten, da zur Knochenentnahme ein weiterer chirurgischer Eingriff notwendig ist.
Eine Alternative ohne Knochenentnahme am Patienten sind Allogene Knochentransplantate, die von Leichen oder lebenden Spendern gewonnen werden. Das Knochenmaterial stammt in der Regel aus Hüftköpfen von menschlichen, aus immunologischer Sicht unbedenklichen Spendern. Nach spezieller Aufbereitung wird das Knochenmaterial durch Gewebebanken bereitgestellt.
Knochenaufbau nach Zahnentfernung
Nach der Entfernung eines Zahnes schrumpft der Kieferknochen an der entsprechenden Stelle. Bei einer klassischen Brücke, für die die Nachbarzähne beschliffen werden müssen, um an diesen die Brücke zu befestigen, kann sich nach der Abheilung ein Spalt unter der Brücke ausbilden. Neben der ästhetischen Beeinträchtigung durch den Spalt können die Zahnpflege und Mundhygiene erschwert werden.
Falls eine Implantatversorgung geplant ist, kann diese später oft nur nach aufwendigen Knochenaufbau erfolgen, da ein Implantat ein ausreiches Knochenangebot für den festen Sitz im Knochen braucht.
Direkt nach der Zahnentfernung besteht die Möglichkeit zum Erhalt und Aufbau des Gewebes. Knochenerhaltende Maßnahmen können begleitend zur Planung der Brückenversorgung oder im Vorfeld einer Implantation erfolgen, um ein langfristiges und ästhetisch anspruchsvolles Ergebnis realisieren zu können.
Falls nach der Entfernung eines Zahnes keine akute Infektion vorliegt und keine Sofortimplantation eines Implantates vorgenommen wird, kann nach einer Extraktion eines Zahnes das entstandene Loch mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden.
Ist die Knochenwand des Zahnfaches beschädigt, kann die zusätzliche Anwendung einer Gewebemembran nötig werden. Die Membran verhindert das Einwachsen von Weichgewebe und sorgt für eine geschützte, knöcherne Ausheilung.