FAQ - häufige Fragen zur Parodontitis
Antworten auf die Fragen, die Patienten vor einer Parodontalbehandlung am häufigsten stellen: Kosten, Ablauf, Vorbeugung und Nachsorge.
Parodontologie
Ein Implantat kann viele Jahre halten – entscheidend ist, wie gesund das Gewebe ringsum bleibt. Wer eine Parodontitis hinter sich hat, trägt dabei ein höheres Risiko: Dieselben Bakterien können auch das Gewebe um ein Implantat angreifen. Man spricht dann von einer Periimplantitis.
Vor einer Implantation sollte eine Parodontitis deshalb ausbehandelt sein. Danach entscheidet die Nachsorge: regelmäßige Kontrollen, professionelle Reinigung und sorgfältige Mundhygiene zu Hause. Unter diesen Bedingungen sind Implantate auch nach einer Parodontitis eine verlässliche Lösung.
Was ist Parodontitis?
Die auslösenden Bakterien lassen sich übertragen, etwa über Speichel. Ob daraus eine Erkrankung wird, hängt aber von der Abwehrlage, der Mundhygiene und erblichen Faktoren ab. Eine Ansteckung im eigentlichen Sinn ist Parodontitis nicht.
In der Regel nicht. Das ist ihre gefährlichste Eigenschaft: Der Knochen baut sich über Jahre ab, ohne dass Schmerz warnt. Bemerkt wird sie oft erst, wenn Zähne sich lockern oder das Zahnfleisch sichtbar zurückgeht.
Teilweise. Bei bestimmten Defektformen lassen sich mit regenerativen Verfahren Knochen und Halteapparat wieder aufbauen. Bei waagerechtem Abbau über viele Zähne hinweg ist das nicht möglich; dort geht es darum, den Zustand zu halten.
Ursachen der Gingivitis
Bei sorgfältiger Reinigung meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Hält die Blutung länger an, sollte der Zahnhalteapparat untersucht werden.
Nein, das Gegenteil ist richtig. Die Blutung kommt von der Entzündung, nicht vom Putzen. Gerade die entzündeten Stellen brauchen eine gründliche, aber sanfte Reinigung.
Nein. Eine Gingivitis kann vollständig ausheilen. Bleibt sie aber über lange Zeit bestehen, kann sie auf den Knochen übergreifen – und dieser Schritt ist nicht mehr umkehrbar.
Parodontologie im Überblick
Die Gingivitis betrifft nur das Zahnfleisch und heilt vollständig aus. Die Parodontitis hat den Knochen erreicht; was dort verlorengeht, kommt nicht von selbst zurück.
Am häufigsten ab dem mittleren Lebensalter, doch es gibt auch frühe und rasch verlaufende Formen bei jungen Menschen. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern wie schnell der Halteapparat verlorengeht.
Ein Zahnarzt mit einem ausgewiesenen Tätigkeitsschwerpunkt oder einer Zusatzqualifikation in der Parodontologie. Die Bezeichnung ist keine geschützte Facharztbezeichnung; fragen Sie nach der Art der Qualifikation.
Verlauf einer Parodontalerkrankung
Das lässt sich nicht allgemein sagen. Bei manchen Menschen bleibt es jahrelang bei einer Gingivitis, bei anderen greift die Entzündung binnen Monaten auf den Knochen über. Rauchen, Diabetes und eine erbliche Veranlagung beschleunigen den Verlauf.
An freiliegenden Zahnhälsen, länger wirkenden Zähnen, Mundgeruch, der bleibt, und später an Zähnen, die sich bewegen. Verlässlich ist nur die Messung der Taschentiefen in der Praxis.
Ja. Sie lässt sich bei den meisten Menschen zum Stillstand bringen. Nicht umkehrbar ist der bereits eingetretene Knochenverlust – deshalb zählt jeder Monat, in dem früher behandelt wird.
Parodontaler Screening Index
Nein. Die Sonde wird behutsam in die Zahnfleischfurche geführt. Bei stark entzündetem Zahnfleisch kann es empfindlich sein; die Untersuchung dauert nur wenige Minuten.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Erhebung alle zwei Jahre im Rahmen der Kontrolluntersuchung.
Code 3 steht für flachere, Code 4 für tiefe Zahnfleischtaschen. Beide bedeuten Behandlungsbedarf; bei Code 4 folgt eine ausführliche parodontale Diagnostik mit Messung an allen Zähnen.
Beginn der Behandlung
Befundaufnahme: Die Taschentiefen werden an jedem Zahn gemessen, die Blutungsneigung beurteilt und die Krankengeschichte aufgenommen. Dazu kommt ein Gespräch über Rauchen, Vorerkrankungen und die Mundhygiene zu Hause.
Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit und nennen Sie bekannte Erkrankungen, besonders Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Blutverdünner. Das beeinflusst die Planung.
Die eigentliche Reinigung umfasst je nach Umfang ein bis zwei Sitzungen. Zwischen den Schritten liegen Wochen, in denen das Gewebe heilt. Rechnen Sie insgesamt mit mehreren Monaten – die Nachsorge läuft danach dauerhaft weiter.
Befundaufnahme
An jedem Zahn werden sechs Stellen sondiert: die Tiefe der Zahnfleischtasche, die Blutung auf Sondierung und der Verlust an Halteapparat. Dazu kommen Lockerungsgrade und, wenn nötig, Röntgenbilder.
Die Sonde misst das Weichgewebe. Wie viel Knochen tatsächlich abgebaut ist und ob der Verlust waagerecht oder trichterförmig verläuft, zeigt erst das Röntgenbild – und davon hängt ab, welche Verfahren in Frage kommen.
Eine Laboranalyse der Bakterien aus der Tasche. Sie kommt in Betracht, wenn die Erkrankung trotz guter Mundhygiene fortschreitet oder wenn über eine begleitende Antibiotikagabe entschieden werden muss – nicht als Routine.
Initialtherapie
Die Wurzeloberflächen werden unterhalb des Zahnfleischrandes von Belag und Zahnstein befreit – mit Handinstrumenten und Ultraschall, unter örtlicher Betäubung. Das ist der Kern der Parodontitisbehandlung.
In den ersten Tagen können die Zähne empfindlich auf Kalt und Heiß reagieren, und das Zahnfleisch kann leicht schmerzen. Beides lässt nach. Freiliegende Zahnhälse bleiben manchmal länger empfindlich; dafür gibt es Lacke und Pasten.
Die Schwellung geht zurück, das Zahnfleisch legt sich wieder an den Zahn an. Was vorher durch die Entzündung aufgeblasen war, wird nun sichtbar kleiner. Das ist ein Zeichen der Heilung, auch wenn es zunächst irritiert.
Behandlungsformen
Bei Taschentiefen bis etwa fünf Millimetern in der Regel ja. Bleiben danach tiefere Taschen bestehen, wird ein chirurgischer Schritt erwogen.
Meist nicht. Die mechanische Reinigung ist die Behandlung; ein Antibiotikum kommt nur in bestimmten Fällen begleitend dazu, etwa bei rasch fortschreitenden Formen. Es ersetzt die Reinigung nie.
Beim geschlossenen Vorgehen wird ohne Schnitt gereinigt, geführt vom Tastsinn. Beim offenen Vorgehen wird das Zahnfleisch abgeklappt, sodass die Wurzel unter Sicht gereinigt und der Knochen beurteilt werden kann.
Parodontaltherapie
Wenn nach der nichtchirurgischen Behandlung Taschen bestehen bleiben, die sich weder reinigen lassen noch von selbst zurückgehen. Der Eingriff schafft Zugang und formt den Knochen so, dass die Stelle wieder pflegbar wird.
Die Wunde schließt sich in ein bis zwei Wochen; die Nähte werden meist nach sieben bis zehn Tagen entfernt. Bis das Gewebe endgültig ausgereift ist, vergehen mehrere Monate.
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt den chirurgischen Schritt, wenn er nach der Befundevaluation begründet ist. Regenerative Zusatzleistungen wie Membranen oder Ersatzmaterialien sind häufig privat zu tragen – lassen Sie sich das vorher schriftlich geben.
Verhalten nach einem Eingriff
In den ersten Tagen weiche, lauwarme Kost. Meiden Sie Heißes, Scharfes, Körniges und Alkohol. Kauen Sie auf der anderen Seite, solange die Wunde empfindlich ist.
Die Wunde selbst zunächst nicht. Alle übrigen Zähne werden normal weitergeputzt – gerade jetzt. Für die Wundregion gibt die Praxis eine Spülung oder ein Gel mit und sagt, ab wann wieder gebürstet wird.
Bei einer Blutung, die sich nach zehn Minuten Druck mit einem sauberen Tuch nicht stillen lässt, bei zunehmender Schwellung nach dem dritten Tag, bei Fieber oder wenn der Schmerz stärker statt schwächer wird.
Vorbeugung
Bei gesundem Zahnfleisch ein- bis zweimal im Jahr. Nach einer Parodontitisbehandlung häufiger – wie oft, richtet sich nach dem Risiko und wird in der Praxis festgelegt.
Für die glatten Flächen ja. Die Zahnzwischenräume und alles unterhalb des Zahnfleischrandes erreicht keine Zahnbürste – und genau dort beginnt die Parodontitis.
Zweimal täglich putzen, einmal täglich die Zwischenräume reinigen, nicht rauchen und Vorerkrankungen wie Diabetes gut einstellen lassen. Dazu die Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn nichts weh tut.
Professionelle Zahnreinigung
Sie ist eine private Leistung und wird nach Aufwand abgerechnet; die Spanne liegt üblicherweise im niedrigen dreistelligen Bereich. Manche Kassen geben einen Zuschuss. Lassen Sie sich den Betrag vorher nennen.
Meist nicht. Bei freiliegenden Zahnhälsen oder entzündetem Zahnfleisch kann sie empfindlich sein; sagen Sie das, dann wird schonender gearbeitet oder örtlich betäubt.
Nur so weiß, wie sie ohne Verfärbungen sind. Entfernt werden Auflagerungen von Kaffee, Tee und Tabak; die Eigenfarbe des Zahns ändert sich nicht. Dafür ist eine Aufhellung nötig, und die setzt gesundes Zahnfleisch voraus.
Kosten der Parodontitisbehandlung
Die systematische Parodontitisbehandlung samt Vorbehandlung, Reinigung, Befundevaluation und der unterstützenden Nachsorge, wenn der Befund sie begründet. Der Antrag wird vor Beginn gestellt.
In der Regel die professionelle Zahnreinigung außerhalb der geregelten Nachsorge sowie zusätzliche Verfahren wie regenerative Materialien, Laser oder Keimtests. Diese Leistungen gehören vorab schriftlich in einen Kostenplan.
Der Vergleich ist einfach: Die Behandlung kostet einmal, ein verlorener Zahn kostet in der Versorgung ein Vielfaches – und zwar dauerhaft, denn auch Zahnersatz muss gepflegt und irgendwann erneuert werden.
Zahnfleischaufbau
Nein. Zurückgegangenes Zahnfleisch bildet sich nicht von allein zurück. Mit einem Transplantat lässt es sich an vielen Stellen wieder aufbauen – wie vollständig, hängt vom Gewebe zwischen den Zähnen ab.
Meist aus dem eigenen Gaumen. Alternativ gibt es Ersatzmaterialien, die der Körper während der Heilung durch eigenes Gewebe ersetzt; damit entfällt die zweite Wunde.
In der Regel nicht. Ein Zahnfleischaufbau gilt meist als ästhetisch begründet und wird privat abgerechnet. Bei ausgeprägter funktioneller Beeinträchtigung kann das anders sein – das klärt die Praxis vorab.
Rezessionsdeckung
Nein. Entscheidend ist das Gewebe zwischen den Zähnen. Ist es erhalten (Miller I und II), ist eine vollständige Deckung zu erwarten. Fehlt es, bleibt nur eine teilweise Deckung.
Die Wunde heilt in ein bis zwei Wochen. Bis Farbe und Form sich angeglichen haben, vergehen mehrere Monate – beurteilen Sie das Ergebnis nicht nach vierzehn Tagen.
Ja, wenn die Ursache bleibt. Zu festes Putzen, eine ungünstige Zahnstellung oder eine unbehandelte Entzündung führen erneut zum Rückgang. Deshalb gehört zur Deckung immer die Frage, woher sie kam.
Parodontose
Umgangssprachlich ja, fachlich nein. „Parodontose“ bezeichnete früher einen Rückgang ohne Entzündung. Fast immer liegt aber eine Entzündung vor – und die heißt Parodontitis. Der Begriff Parodontose gilt heute als überholt.
Weil es sich eingebürgert hat. In Befunden und Behandlungsplänen steht heute Parodontitis, samt Stadium und Grad. Wenn Sie „Parodontose“ hören, ist in aller Regel dasselbe gemeint.
Biofilm
Eine organisierte Gemeinschaft von Bakterien, die sich mit einer eigenen Schutzschicht an die Zahnoberfläche heftet. Innerhalb dieser Schicht sind die Bakterien gegen Spülungen und Antibiotika weitgehend geschützt.
Sie erreicht die Oberfläche des Biofilms, nicht sein Inneres. Ein Biofilm muss mechanisch gestört werden – durch Bürste, Bürstchen oder die Instrumente in der Praxis. Spülungen sind eine Ergänzung, kein Ersatz.
Innerhalb von Stunden beginnt die Neubesiedlung; nach ein bis zwei Tagen ist der Biofilm wieder organisiert. Deshalb ist die Täglichkeit wichtiger als die Gründlichkeit einer einzelnen Reinigung.
Ablauf der professionellen Zahnreinigung
Üblicherweise 45 bis 60 Minuten, je nach Bestand und Umfang der Beläge.
Die Reinigung raut die Oberfläche leicht auf; an rauen Stellen setzen sich Bakterien schneller wieder fest. Die Politur glättet und verzögert damit die nächste Ablagerung.
Nach dem Fluoridlack sollten Sie etwa eine Stunde warten, damit er einwirken kann. Danach gibt es keine Einschränkung; farbintensive Getränke meiden Sie am ersten Tag besser.
Kosten der professionellen Zahnreinigung
Viele gesetzliche Kassen geben einen Zuschuss oder erstatten einen Teil über Bonusprogramme. Die Höhe ist von Kasse zu Kasse verschieden – fragen Sie dort nach, bevor Sie den Termin vereinbaren.
Abgerechnet wird nach Aufwand: Zahl der Zähne, Menge und Härte der Beläge, eingesetzte Verfahren. Ein Gebiss mit wenigen Zähnen und wenig Zahnstein kostet weniger als ein vollständiges mit festen Auflagerungen.
Nein, während der unterstützenden Parodontitistherapie ist die Nachsorge Kassenleistung, solange sie im festgelegten Rahmen läuft. Danach wechselt sie wieder in den privaten Bereich.
Behandlungsziele
Die Entzündung zum Stillstand bringen, die Taschen so weit verkleinern, dass sie sich reinigen lassen, und den Zahn erhalten. Ein Gebiss wie vor der Erkrankung ist nicht das Ziel und meist auch nicht möglich.
An Taschentiefen, die bei der Nachmessung geringer sind, und vor allem daran, dass die Sondierung nicht mehr blutet. Ausbleibende Blutung gilt als bestes Zeichen für einen stabilen Zustand.
Das hängt vom Befund ab. Stark gelockerte Zähne mit weit fortgeschrittenem Knochenverlust lassen sich manchmal nicht halten. Der Behandlungsplan sagt vorher, welche Zähne als fraglich gelten.
Regenerative Behandlung
Bei trichterförmigen Knochendefekten, die von mehreren Wänden begrenzt sind. Bei waagerechtem Knochenabbau über viele Zähne hinweg ist ein Wiederaufbau nicht möglich.
Je nach Defekt Membranen, Knochenersatzmaterial oder Schmelzmatrixproteine, einzeln oder kombiniert. Was im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die Form des Defekts – nicht der Wunsch nach dem neuesten Material.
Ein Zugewinn an Halteapparat ist bei geeigneten Defekten gut belegt, aber nicht garantiert. Rauchen, mangelnde Mundhygiene und eine fortbestehende Entzündung verschlechtern die Aussichten deutlich.
Dentalwissen
Als Nachschlagewerk zu Behandlungen, Verfahren und Begriffen, die im Zusammenhang mit dem Zahnhalteapparat auftauchen – von der Prophylaxe über die Kinderzahnheilkunde bis zur Ästhetik.
Nein. Die Texte erklären, was es gibt und worauf es ankommt. Welche Behandlung in Ihrem Fall richtig ist, lässt sich nur nach einer Untersuchung sagen.
Knochenersatzmaterialien
Aus körpereigenem Knochen, aus menschlichem Spenderknochen aus einer Gewebebank, aus tierischem Material oder aus rein synthetischen Stoffen. Alle werden vom Körper über Monate um- oder abgebaut.
Spender- und tierische Materialien durchlaufen genormte Aufbereitungs- und Sterilisationsverfahren und unterliegen der Arzneimittel- oder Medizinprodukteaufsicht. Fragen Sie in der Praxis, welches Material vorgesehen ist – die Herkunft gehört ins Aufklärungsgespräch.
In der Parodontalchirurgie meist nicht. Ersatzmaterialien und Membranen gelten überwiegend als private Zusatzleistung und gehören deshalb vorab in einen schriftlichen Kostenplan.
Mikrochirurgie
Gearbeitet wird unter Lupenbrille oder Operationsmikroskop mit feineren Instrumenten und dünnerem Nahtmaterial. Die Schnitte fallen kleiner aus, das Gewebe wird weniger gedehnt.
Kleinere Wunden und präzisere Nahtränder begünstigen die Heilung; Schwellung und Beschwerden fallen meist geringer aus. Ein besseres Ergebnis ist damit wahrscheinlicher, aber nicht garantiert – Mundhygiene und Rauchverzicht wiegen schwerer.
Pulverstrahlgeräte
Bei richtiger Anwendung nicht. Entscheidend ist das Pulver: Für die Zahnfleischtasche und freiliegende Wurzeln werden feine Pulver auf Glyzinbasis verwendet, die deutlich weicher sind als das klassische Natriumbikarbonat.
Bei akuten Entzündungen der Atemwege, bei bestimmten Erkrankungen mit salzarmer Diät und bei offenen Wunden im Behandlungsgebiet. Nennen Sie Vorerkrankungen vor der Sitzung.